Basel ist eine sehr schöne Stadt, in der man einen witzigen und mehrheitlich friedlichen Chauvinismus pflegt: Baslerinnen und Basler kommen sich zwar als ein bisschen besser vor als alle andern, insbesondere besser als Zürcherinnen und Zürcher, räumen jedoch allen anderen das Recht ein, dasselbe von sich selbst zu denken. Alberne Foppereien und geistreiche Neckereien gegen die angrenzenden Schwaben und Elsässer hört man zuhauf, nicht bloß an der Fasnacht, wirklich verletzende oder hasserfüllte Äußerungen sind jedoch eher selten.
Dieselbe Kreativität, die den traditionell verankerten sanften Spott über die Nachbarn generiert und die sich um Tatsachen und Objektivität einen Deut schert, scheint in Basel auch auf den Umgang mit Historie und Etymologie weidlich ausgedehnt zu sein. In meinem Basler Bekanntenkreis ist beispielsweise eine Mehrheit felsenfest davon überzeugt, dass der Basilisk, das mythologische Mischwesens aus Vogel und Schlange, allein wegen der Ähnlichkeit der Wörter etwas mit Basel zu tun hätte. In der Tatsache, dass man in der ganzen Stadt zahllosen Darstellungen (meistens jüngeren Datums) des mit Blicken tötenden Drachen an Brunnen, Hauswänden, Gemälden und in Wappen begegnet und darin, dass ein lokaler Privatsender ‹Radio Basilisk› heißt, sehen diese meine Freunde einen Hinweis auf die Richtigkeit ihrer Annahme statt für die pandemische Verbreitung eines Irrtums. Einzelne wenige glauben sogar, das Adjektiv, eigentlich ein Partizip, ‹verbaselt› leite sich von Basel ab und bedeute ‹dergestalt beeinflusst, dass es zu Basel passt›.
Die 1460 gegründete Universität Basel ist die älteste Universität der Schweiz sowie eine der ältesten nördlich der Alpen. An ihr lehrten und forschten über die Jahrhunderte hinweg unter anderem Erasmus von Rotterdam, Paracelsus, der große Daniel und andere Bernoulli, Leonhard Euler, Friedrich Nietzsche, Karl Jaspers, die Nobelpreisträger Werner Arber (1978) und Tadeus Reichstein (1950) — beide für Physiologie oder Medizin, und die Philosophin Jeanne Hersch. In Basel fand 1897 außerdem der erste Zionistenkongress unter Leitung von Theodor Herzl statt. Insgesamt wurde der Kongress bis zur Staatsgründung Israels im Jahr 1948 zehn Mal in Basel durchgeführt, somit öfter als in jeder anderen Stadt der Welt.
Der lateinische Name einer Ortschaft, die sich ungefähr da befunden haben soll, wo die heutige Stadt Basel steht und ‹Basilia› genannt wurde, ist zum ersten Mal im 4. Jahrhundert belegt. Ammianus Marcellinus, ein römischer Historiker, berichtet für das Jahr 374 von Begebenheiten im Umfeld des römischen Kaisers, die sich ereigneten, «als er gerade eine Festung nahe bei ‹Basilia› erbaute, die [oder das] die Anwohner ‹Robur› (Eiche) nennen». Im lateinischen Text ist sprachlich nicht eindeutig, ob der einheimische Name, der auf Lateinisch mit ‹Robur› übersetzt wird, den gleichen Ort wie ‹Basilia› meint, also den römischen Vorläufer des späteren Basel auf dem Münsterhügel, oder ob es vielmehr der Name der von Valentinian neu erbauten Festung rechts des Rheins war. Unabhängig davon, ob ‹Robur› also der Name des späteren Basel war oder nur eine Festung in der Nähe bezeichnete, findet sich der bei Ammianus erstmals belegte Name ‹Basilia› für die Siedlung (wahrscheinlich) auf dem Münsterhügel in den folgenden Jahrhunderten häufiger in den Quellen. Die ‹Notitia dignitatum› aus der Zeit um 400 nennt als eine Stadtgemeinde (Civitas) am Rhein die ‹Civitas Basiliensium›. Um 700 taucht der Ortsname als ‹Bazela› auf. Aus der Zeit um 600 stammen die frühesten Münzen mit Nennung des Stadtnamens in der Aufschrift ‹Basilia fit› (hergestellt, geprägt in Basel).
Wahrscheinlich leitet sich der Name vom häufigen römischen Personennamen Basilius ab. Ortsnamen, die auf einen Personennamen zurückgehen, sind in der Schweiz häufig. Es handelt sich dabei meist um Wendungen, bei denen das ursprüngliche Gattungswort weggelassen wurde. ‹Basel› dürfte also eine elliptische Bildung aus einem ursprünglichen Ortsnamen wie ‹villa Basilis› oder ‹civitas Basilis› sein. Der lateinische Personenname Basilius leitet sich ab von Griechisch ‹βασιλεύς› [basileus] (König).
Ebenfalls auf ‹βασιλεύς› [basileus], genauer: auf ‹βασιλίσκος› [basiliskos], dem Diminutiv davon (also: Königlein), geht der Name des mythologischen Mischwesens aus Vogel und Schlange hervor, dessen Blick versteinert. Allein: Der Basilisk wird bei Demokrit (460 bis 370 v.Chr.) zum ersten Mal erwähnt, also rund siebenhundert Jahre vor der ersten Erwähnung der Stadt. Dass im Mittelalter und in der frühen Neuzeit dem Basler Wappen lange ein Basilisk als Schildhalter diente, ist zwar hübsch, stellt jedoch keine historische Verbindung zwischen dem Fabelwesen und der Rheinstadt dar.
Genauso wenig wie der Basilisk hat das Verb ‹verbaseln› (etwas verfehlen, vermasseln, verschlampen) mit Basel zu tun!
Das Wort ist aus dem Niederdeutschen ‹vorbasen› entlehnt, das auf Mittelniederdeutsch ‹basen› (Unsinn reden) zurückgeht. Die Vorsilbe ‹vor› in ‹vorbasen› hat genau dieselbe Bedeutung wie heute in der Standardsprache. Sie diente dazu, aus ‹basen› (Unsinn reden) ein vorausgehendes leeres, nicht einzulösendes Versprechen zu machen. ‹Vorbasen› bedeutet: ‹sich etwas vornehmen oder ankündigen, was man schließlich unmöglich halten kann›. Vom Niederdeutschen zum Neuhochdeutschen wandelte sich die Bedeutung vom unsinnigen Versprechen zu den Folgen, denn wer Unsinniges verspricht, der vermasselt zwangsläufig etwas; dadurch wurde die Vorsilbe ‹vor› durch ‹ver› ersetzt. Durch lautliche Angleichung an ‹vermasseln› wurde aus ‹vorbasen› ‹verbaseln›.


