Der etwas aus der Mode geratene Begriff ‹bigott› bedeutet: vordergründig und heuchlerisch glaubenseifrig, scheinheilig, frömmelnd, heuchlerisch, scheinfromm, unaufrichtig, verlogen, pharisäerhaft, aber auch engstirnig, borniert, dogmatisch.
Das Adjektiv wurde Anfang 18. Jahrhundert in der deutschen Standardsprache aus dem gleichbedeutenden französischen ‹bigot› entlehnt. Etwas älter (17. Jahrhundert) ist das entsprechende Substantiv ‹Bigotterie› belegt; ebenfalls aus dem gleichbedeutenden französischen ‹bigoterie›.
Nicht eindeutig und endgültig geklärt ist die Herkunft des Wortes. Mehrere voneinander unabhängige, daher recht glaubhafte spätmittelalterlichen Eintragungen berichten, dass Franken im Entourage Karls des Großen über Gewohnheit und Brauch der Normannen zu spotten pflegten, die jeder Lüge und jedem Meineid ein so feierlich klingendes wie hinterhältiges «bî god» (bei Gott) auszustoßen pflegten. Einhard (ungefähr 770 bis 840), der bedeutendste Biograf Karls des Großen, notiert in der ‹Vita Karoli Magni› (Leben Kaiser Karls) um 830, dass Karl der Große, wenn er belogen wurde oder das Gefühl hatte, er sei belogen worden, jeweils mit ausgestrecktem Finger auf den für einen Lügner Gehaltenen zeigte und sarkastisch «Bî God!» rief, was gleichbedeutend war mit: «Du bist ein elender Lügner!»
Eine andere Hypothese möchte das Wort aus dem Jiddischen ‹begotisch› (fromm) herleiten. Für diese Vermutung spricht allein der Zeitpunkt, denn tatsächlich war der Einfluss des Jiddischen auf die deutsche Sprache im 18. und 19. Jahrhundert groß. Allerdings könnte diese Annahme nicht erklären, wieso es den Ausdruck mit der gleichen Bedeutung im Französischen bereits seit Jahrhunderten gab; abgesehen davon, dass das jiddische ‹begotisch› nicht eine scheinheilige, sondern eine aufrichtige Frömmigkeit meint.

