Dämonische Zahl

Alberigo TuccilloSprache, Wissenschaft 4 Kommentare

‹Βεελφεγωρ› [Belphegor] ist in der Septuaginta, in der ältesten Bibelübersetzung ins Griechische, dann in der Vulgata, der im Mittelalter verbreitetste lateinische Fassung der Bibel, der Name einer Gottheit ‹בעל פעור› [Baal Peor] (Herr des Peor). Der Peor war ein Berg in Moab in dessen Nähe der Ort sein soll, an dem Moses von Gott begraben wurde.

Überliefert wird, dass ein entstandener Kult des Peor stark durch sexuelle Handlungen geprägt war, insbesondere, dass das Entblößen des Gesäßes und der Schamteile zu den Kulthandlungen gehört und dass irgendeine Beziehung zu Exkrementen bestanden habe — was allerdings die sachliche Grundlage dafür ist, bleibt unklar. Das in der Bibel immer wieder erscheinende «Treiben von Unzucht» muss nicht wörtlich interpretiert werden, da jede Form des Abfalls von Jahwe in der Bibel vielfach als ‹Hurerei› bezeichnet wird. Die Wurzel ‹פער› [pa’ar] (weit öffnen) kann das Aufreißen des Mundes, einer anderen Körperöffnung oder übertragen einen sich öffnenden (Höhlen-)Schlund meinen. Von der Etymologie des ‹Öffnens› wurde dann auf Defloration geschlossen und von daher wird aus ‹Baal Peor› ein ‹Priapus›, ein lüsterner Gott mit immer erigiertem Glied, dem sich die Weiber und ihre Töchter bereitwillig hingaben, um Unkeuschheit mit ihm zu treiben.

In der mittelalterlichen christlichen Deutung wurde ‹Belphegor schlicht zum Dämon, dem alle erdenklichen Schandtaten und Widrigkeiten, aber manchmal auch geniale Erfindungen zugeschrieben wurden und oft noch immer werden.

Der amerikanische Mathematiker Harvey Dubner (1928­-2019), der sich unter anderem mit sehr großen Zahlen beschäftigte, stieß durch seine Arbeit auf die enorme Primzahl 1000000000066600000000001, die mathematisch keine weitere Bedeutung hat, als dass es eben eine Primzahl ist. Die eindrückliche Form dieser Zahl (allerdings nur in der Darstellung im Dezimalsystem), erregte aber die Fantasie des ebenfalls amerikanischen Wissenschaftsjournalisten Cliff Pickover, dem auffiel, dass die Zahl nicht nur eine Primzahl, sondern zugleich ein Palindrom ist; das heißt: vorwärts und rückwärts gelesen ist es dieselbe Zahl. Darüber hinaus: in der Mitte der Zahl, die sonst nur aus Nullen besteht und vorn und hinten eine Eins hat, ist die Zahl 666, die Teufelszahl. Zudem sind vor und nach der Teufelszahl jeweils 13 Nullen — und die 13 gilt mancherorts als Unglückszahl, während andere sie zur Glückszahl erheben. Im Ganzen besteht die Zahl aus 31 Stellen, was die umgekehrte Ziffernreihenfolge zu 13 ist — auch dies natürlich nur im Dezimalsystem! Pickover war davon so sehr beeindruckt und überwältigt, dass er die «magische» Zahl ‹Belphegor-Zahl› nannte und dafür auch gleich ein Symbol erfand: ein umgekehrtes π!

https://tuccillo.ch/kontakt/

Kommentare 4

    1. Post
      Author
  1. Der Begriff „unkeusch“ hat mich schon immer zum Lächeln gebracht. Wer nicht keusch lebt, der ist unkeusch.
    Hat eigentlich das jüdische „koscher“ irgend eine Verbindung dazu?

    Im übrigen wieder einmal ein sehr interessanter Beitrag! Vielen Dank dafür, Alberigo.

    1. Post
      Author

      Danke für die Blumen, Sabina!
      Zu ‹keusch› und ‹koscher›:
      ‹koscher› ist die aschkenasische Aussprache von Hebräisch ‹כּשר› [kascher], was wörtlich ‹tauglich, passend, angebracht› bedeutet; ‹keusch› hingegen kommt aus dem althochdeutschen ‹kūski› über das mittelhochdeutsche ‹kiusch› und geht zurück auf das lateinische ‹conscius›, was ‹bewusst, beherrscht, bedacht, gezügelt› bedeutet. — Zwischen dem semitischen und dem indoeuropäischen Stamm gibt es keine Verbindung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert