Das altgriechische Adjektiv ‹πλατύς› [platýs] (flach, eben, breit, platt) hat in allen indoeuropäischen Sprachen eine riesige Menge an Wörtern generiert: die ‹Platte› mitsamt den Derivaten wie ‹Bodenplatte›, ‹Plattenleger›, ‹Plättchen›, ‹Schallplatte›, ‹Plattentektonik› und ‹platt›, ‹Platine›, ‹Platane›, ‹Platin›, ‹platinieren›, ‹Plattform›, ‹plätten› (bügeln), ‹Plätterin›, ‹Platt(deutsch)›, aber auch ‹Platz› (sowohl für unbebaute freie Fläche in einer Stadt oder einem Dorf als auch für freien Raum), ‹platzieren›, ‹Plätzchen› (sowohl für einen kleinen Platz als auch für ein kleines flaches Gebäck), indirekt auch ‹flach›, ‹Fläche›, ‹flächig›, ‹Fladen›, ‹Fladenbrot›, ‹Flunder› und ‹Plötze› (Rotkarpfen, Plattfisch), ‹Flötz› (in der Bergmannssprache geebneter Boden, flache Lagerstätte), so auch ‹Feld›, ‹Umfeld›, ‹Feldarbeit›, ‹Feldarbeiter›, ‹fletschen› (eigentlich den Mund breitziehen), ‹platzen›, ‹Platzpatrone›, ‹Plateau›, ‹Plafond›, ‹Plan›, ‹planen› (eigentlich ausbreiten), ‹planieren› (flach machen), ‹Plane›, das englische Flugzeug ‹plane›, der französische, spanische und der italienische Teller ‹plat› beziehungsweise ‹plato› und ‹piatto›, das lateinische ‹plantare› (etwas in den flachen Boden stecken), daraus ‹pflanzen›, ‹einpflanzen›, ‹umpflanzen›, ‹verpflanzen›, ‹Pflanze›, ‹pflanzlich›, natürlich auch ‹Pfahl› und ‹pfählen›, ‹implantieren›, ‹Implantat›, ‹Implantologie›, ‹transplantieren› und ‹Transplantat›. Auch ‹piano›, ‹pianissimo› und ‹Pianoforte› sind von ‹πλατύς› [platýs] (flach) abgeleitet, denn ‹piano› bedeutet ursprünglich nicht leise, sondern plan, sachte, sanft, ohne Betonung.
Dass hier einige Stämme sowohl auf Deutsch als auch Latein mit ‹p› beginnen und andere auf Deutsch mit ‹f›, ist auf die erste Lautverschiebung zurückzuführen. Beispiele für diese Lautverschiebung sind: Lateinisch ‹pater› (Vater) zu Althochdeutsch ‹fatar›, ‹pes› (Fuß) zu ‹fuoz›, ‹piscis› (Fisch) zu ‹fisk›, ‹portus› (Hafen) zu ‹fjord› oder zu ‹furt› wie in Frankfurt, Klagenfurt, Erfurt oder Schweinfurt. In der zweiten Lautverschiebung wurde das ‹p› zu einem ‹pf›. Beispiele: Spätlatein ‹parochia› (Griechisch ‹παροικία› [paroikía]) zu ‹Pfarrei›, ‹plovum› zu ‹Pflug›, ‹piper› zu ‹Pfeffer›, ‹pilum› zu ‹Pfeil›, ‹porta› zu ‹Pforte› und andere. — Ob also ein ‹p› ein ‹p› geblieben ist, ob daraus ein ‹f› oder ein ‹pf› wurde, gibt Aufschluss darüber, wann (in welcher Zeit) und in welcher Gesellschaftsschicht ein Wort migriert ist.
Platon (Πλάτων = der Breite oder der Flache) war bloß der Beiname des großen Philosophen, denn sein richtiger Name, sein Geburtsname war Aristokles. Warum er das Pseudonym ‹Platon› bekam, welches ihm seine Schüler verliehen und das bald seinen bürgerlichen Namen völlig verdrängte und ersetzte, ist nicht geklärt. Es wurden dazu verschiedene Vermutungen geäußert: 1. Platon habe besonders breite Schultern gehabt, 2. seine Stirn sei sehr breit gewesen und 3. er sei so genannt worden, weil sein Schreibstil und seine Werke sehr breit, weit, umfassend seien. Keiner dieser Erklärungsversuche ist tatsächlich überzeugend, aber der Bezug des Beinamens ‹Platon› zur Bedeutung ‹breit› und ‹flach› ist etymologisch und sprachgeschichtlich dennoch unbestritten.


