Der antike Name der Stadt Aachen ist mysteriöserweise nicht überliefert, obwohl die Archäologie zweifelsfrei belegt, dass der Ort bereits während des römischen Kaiserreiches eine beachtliche Größe und eine herausragende wirtschaftliche und militärische Bedeutung erlangt hatte. In lateinischen Texten des Mittelalters wird hingegen die Agglomeration mehrheitlich als ‹Aquae›, als ‹Aquis› oder als ‹Aqua› bezeichnet, was sich mit Sicherheit ursprünglich auf die Thermalbäder bezog, für die die Stadt seit jeher berühmt war und heute noch ist. Da Karl der Große seine Pfalz auf den Resten der römischen Bäder und der dazugehörigen Infrastruktur gründete, wurde das lateinische Wort ‹aqua› (Wasser) zum Ursprung für den sich im achten Jahrhundert etablierenden Stadtnamen. Dem Namen ‹Aqua› wurde der Zusatz ‹Granni› hinzugefügt, was auf den keltischen Gott ‹Grannus› zurückgeht, dem die Thermalquelle vermutlich einst geweiht war. Eine andere Vermutung, für die es jedoch keine Belege gibt, möchte das Attribut ‹Granni› auf einen Römer namens ‹Granus› zurückführen, der unter Kaiser Hadrian um 120 n.Chr. an der Gründung oder vielleicht auch bloß an der Erweiterung der Stadt beteiligt gewesen sein soll.
Zunehmend verschmolz ‹Aqua Granni› zu ‹Aquisgranum› oder ‹Aquisgrani›.
In den heutigen Sprachen wird die Stadt entweder in Anlehnung an den neuhochdeutschen Namen Aachen benannt — Niederländisch ‹Aken›, Luxemburgisch ‹Oochen›, Russisch ‹Ахен› [Achen] — oder in Anlehnung an den lateinischen Namen — Italienisch ‹Aquisgrana ›, Spanisch ‹Aquisgrán›, Polnisch ‹Akwizgran›; Französisch ‹Aix-la-Chapelle› (‹Aix› ist eine Kontraktion von ‹aquis›.
Über Karl den Großen und seine Sprache gibt es einiges anzumerken. Wie genau Karl sein Aachen zu nennen pflegte, wissen wir nicht. Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass seine Muttersprache eine altfränkisch-rheinländische Variante des Althochdeutschen war und dass er Latein zwar verstehen, aber nur sehr schlecht sprechen, schon gar nicht schreiben konnte. Wie der fränkische Abt und Gelehrte Einhardt in der Biografie Karls des Großen — die Vita Karoli Magni — berichtet: «scribere autem ipse non didicit» (er selbst lernte aber nie schreiben).
Möglicherweise hatte er auch einen Sprachfehler, dessen er sich schämte oder den er zumindest für unvorteilhaft hielt, denn er ließ seine Proklamationen stets von jemandem an seiner Stelle vortragen.
Seine Erlasse (Kapitulare) wurden zwar nie von ihm selbst, sondern immer durch seine klerikalen Schreiber verfasst, aber ausnahmslos auf Latein, denn obwohl er selbst kaum Lateinisch konnte, hielt er sehr wenig von seinem eigenen althochdeutschen Idiom. Nur Latein war eines Kaisers und eines kaiserlichen Erlasses würdig! Er bewunderte die römische Kultur, die Literatur und die antiken Rhetoriker. Er äußerte sich oft auch sehr despektierlich gegenüber Menschen, die wie er selbst die lateinische Sprache nicht beherrschten.

