In der Bibel kommen — je nach Übersetzung — immer wieder Posaunen vor:
Im Alten Testament:
Mose 19,16 (Gotteserscheinung am Sinai): «Es geschah am dritten Tag […] da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge, und der Ton einer sehr starken Posaune.»
Joel 2,1 (Prophetischer Gerichtsruf): «Stoßt die Posaune auf dem Zion und ruft laut auf meinem heiligen Berge!»
Im Neues Testament:
Korinther 15,52 (Auferstehung der Toten): «[…] in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden.»
Thessalonicher 4,16 (Wiederkunft Christi): «[…] denn der Herr selbst wird […] mit der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel.»
Offenbarung 8–11 (Die sieben Posaunen der Engel): «Jede der sieben Posaunen bringt ein neues Gericht über die Erde.
Und die berühmten ‹Posaunen von Jericho›, welche die Mauern der alten kanaanitischen Stadt zum Einsturz gebracht haben sollen, sind sogar sprichwörtlich geworden.
Nun sind die Posaunen aber in der lateinischen Bibel Hörner (‹cornua›), in der italienischen und englischen sogar Trompeten (‹trombe› beziehungsweise ‹trumpets›) — aber immerhin bleibt man noch brav im Blechregister.
Die Frage drängt sich jedoch auf: Welche Instrumente haben sich die Autoren der biblischen Bücher beim Verfassen ihrer Prophezeiungen und Parabeln wirklich vorgestellt?
Die Posaune ist wohl eher deshalb in die deutschen biblischen Übersetzungen geraten, weil das Instrument dem durchaus musikalischen Martin Luther besonders gefiel, als aus historischer Sorgfalt, denn Posaunen gab es vor allem in alttestamentarischen Zeiten nicht.
Ein Blick in die hebräischen Versionen — Originale besitzt man leider von keinem biblischen Text — schafft wenigstens ein bisschen Klarheit: In Wirklichkeit handelte es sich nicht um Posaunen, sondern entweder um ein ‹Schofar› (Hebräisch ‹שׁוֹפָר›),

ein gekrümmtes Widderhorn ohne Mundstück, das für religiöse und militärische Signale genutzt wurde und noch heute im Judentum zum Neujahrsfest — ‹רֹאֹשׁ הַשָּׁנָה› [Rosch ha-Schana] — geblasen wird,
oder um eine ‹חֲצֹצְרָה› [Chazozra], eine gerade Metalltrompete, meistens aus Kupfer, selten aus Silber, die im Tempeldienst zur Versammlung oder in der Armee als Kriegssignal verwendet wurde.

Auf beiden Instrumenten konnte man selbstverständlich nur Naturtöne spielen.

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