Kichern mit Cicero

Alberigo TuccilloGeschichte, Sprache Schreibe einen Kommentar

Das Kichern, das vergnügte, etwas unterdrückte, obwohl nicht unterdrückbare, verhaltene, stoßweise Lachen, ist wie das Gackern, wie das Gickeln, wie das Glucksen und viele andere lautmalerischen Ursprungs. Althochdeutsch unterschied noch ‹kichazzen› (leise lachen, gickeln, kichern) und ‹kachazzen› (herausprusten, schallend lachen). Mittelhochdeutsch ist leider nichts belegt und Neuhochdeutsch taucht das fröhliche onomatopoetische Verb erst Ende 16. Jahrhundert auf — in Form und Bedeutung, wie wir es heute noch verwenden. Ob der Ausdruck auf das Altgriechische ‹καχάζειν› [kacházein] (laut lachen) zurückgeht, ist nicht gesichert und nicht belegt. Wahrscheinlich jedoch schon.

Sicher ist hingegen, dass die Kichererbse nichts damit zu tun hat! Das lateinische Wort für die Kichererbse ist ‹cicer› [kiker]. Und mit ihrem lateinischen Namen wurde die Hülsenfrucht auch in althochdeutscher, mittelhochdeutscher und auch in früher neuhochdeutscher Zeit genannt. Im 16. Jahrhundert schrieb man einmal ‹cicer› und einmal ‹kiker›, wie es dem oder der Schreibenden jeweils gerade passte.

Für einmal geht das Lateinische nicht auf eine griechische Vorläuferform zurück. Da haben sich die alten Römer beim Hebräischen bedient oder sich davon wenigstens beeinflussen lassen: ‹כיכר› [kikar] (etwas Rundes, zum Beispiel ein runder Platz, ein rundes Brötchen, ein Kügelchen) ist auf Hebräisch zwar nicht direkt die Bezeichnung für die Kichererbse, aber die Kugelform der im Mittelmeerraum sehr beliebten Leguminose hat vom jüdischen Gemüsehändler bei den einkaufenden Ancillae sowohl eine Erweiterung des Vokabulars als auch der Menüideen bewirkt.

Ob der Name des berühmten Redners, Schriftstellers, Philosophen und Politikers Marcus Tullius Cicero [Markus Tullius Kikero] etwas mit der Erbse zu tun hat, weiß man nicht! Zwei verschiedene Vermutungen werden ab und zu geäußert. (Man nenne diese Vermutungen bitten nicht ‹Theorien›, denn eine Theorie ist eine falsifizierbare, systematische, in sich widerspruchsfreie Beschreibung, die gegen keine noch nicht falsifizierte andere Theorie verstößt! Siehe dazu auch: https://tuccillo.ch/was-ist-eine-theorie).

Eine Vermutung will den Namen Cicero von der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Familie ableiten, die als Kichererbsen-Produzenten bedeutend gewesen sein soll.

Eine andere Vermutung knüpft den Namen an eine große Warze, die der antike Redner angeblich auf der Nase gehabt hätte. Auf einer Marmorbüste hat ihm ein Bildhauer tatsächlich einen derartigen kichererbsenförmigen ästhetischen Makel auf die Nase gesetzt. Darüber, ob Cicero die Büste je gesehen hat und wie lange der Künstler noch gelebt hat, ist nichts bekannt.

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