Der Martinstag ist zwar erst am 11. November. Da jedoch dieses Jahr sich der Herbst früh und wuchtig in meinem Gemüt ausbreitet, habe ich plötzlich den Drang verspürt, ein Gedicht eines meiner Lieblingsdichter zu übersetzen und zu posten: ‹Martinstag› von Giosuè Carducci.
Giosuè Carducci (1835 bis 1907) war ein italienischer Dichter, Redner und Literaturhistoriker und erhielt 1906 den Nobelpreis für Literatur.
Carducci studierte an der Universität in Pisa Philologie und promovierte zum Doktor der Philosophie. Danach war er in Pisa zunächst Lehrer für Rhetorik. Aufgrund seiner atheistischen Ansichten wurde seine Bewerbung um eine Professur für Griechisch abgelehnt. 1860 wurde er aber dennoch Professor für Griechisch in Pistoia. 1861 wurde er sogar an der renommierten Universität Bologna Professor für italienische Literatur und diese Stelle hatte er bis 1903 inne.
1890 wurde Carducci, der als politischer Dichter und herausragender Redner schon damals beträchtliches Ansehen genoss, Senator des Königreichs Italien. Ab 1886 war er korrespondierendes Mitglied der ‹Accademia della Crusca› in Florenz. (Die 1583 gegründete ‹Accademia della Crusca› ist weltweit die älteste Institution zur Pflege und Regelung einer Sprache. Sie entspricht in ihrer Funktion in etwas dem ‹Leibniz-Institut für die deutsche Sprache› in Mannheim.)
1906 erhielt Carducci den Nobelpreis für Literatur. Im darauffolgenden Jahr starb Giosuè Carducci und wurde auf dem ‹Cimitero Monumentale della Certosa› in Bologna beigesetzt.
| Giosuè Carducci San Martino La nebbia agli irti colli Piovigginando sale, E sotto il maestrale Urla e biancheggia il mar; Ma per le vie del borgo Dal ribollir de’ tini Va l’aspro odor dei vini L’anime a rallegrar. Gira su’ ceppi accesi Lo spiedo scoppiettando: Sta il cacciator fischiando Su l’uscio a rimirar Tra le rossastre nubi Stormi d’uccelli neri, Com’ esuli pensieri, Nel vespero migrar. | Giosuè Carducci (Übersetzung: A. Tuccillo) Martinstag Nebel steigt an spröden Hügeln, Nieselnd Büsche tränkend, Und unter Mistrals Bö Brüllt und schäumt das Meer; Aber durch des Dorfes Gassen Zieht herber Duft nach Wein, Der in dem Bottich gärt Zur Vorfreud des Gemüts. Auf Holzgluht drehen Spieße, Knisternd, knackend, knurrend, Derweil der Jäger pfeifend An der Tür sinniert, Wie zwischen roten Wolken Schwarze Vögel schwärmen, Wie flüchtige Gedanken, Die in die Dämmrung ziehn. |


