Quäntchen und Quanten

fbrugger Vermischtes, Wissenschaft

Zurzeit tut sich Großartiges in der modernen Physik und Kosmologie: Man hat unlängst die Gravitationswellen endlich nachweisen können, man hat Theorien aufgestellt, die mathematisch stichhaltig und mit allen Beobachtungen im Einklang sind, um die ‹Dunkle Materie› zu erklären, und man ist ganz nahe dran, die Quantentheorie mit der Relativitätstheorie zu verbinden (zu «verschränken», wie die Physiker liebevoll sagen).
Das erregt mich unheimlich! Ich fühle mich wie damals, als ich ein Kind war und wir — ich und meine Schwester — an Heiligabend das wunderschöne Krippenspiel zum ersten Mal sehen durften, an dem Papa einen Monat lang Abend für Abend gebastelt hatte! Ich bin ganz aus dem Häuschen!

Es ist atemberaubend! Es ist so schön wie Alban Bergs Violinkonzert! — Ich habe in den vergangenen Wochen sehr viele Artikel darüber im ‹Spektrum der Wissenschaft› gelesen und einen kleinen Teil davon sogar verstanden (und dies ohne meinen Bruder zu fragen, der ein genialischer Physiker ist und das alles nicht nur versteht, sondern so erklären kann, dass sogar ich es kapieren würde!)

Und in dieser Begeisterung habe ich mich gefragt: «Was kann die Poesie dazu beitragen?» — Im Moment fällt mir zugegebenermaßen nicht viel ein. Aber immerhin haben die Quanten mit der Inspiration eine gewisse Wechselwirkung:

Das Quant

Auf eine Fläche traf ein Quant
und hatte’s fürchterlich pressant.
Von unsrer Sonne kam’s im Sturz,
und sein Besuch war äußerst kurz,
denn lichtgeschwind flog es kaum später
in andrer Richtung durch den Äther.
Und eh ich’s dachte, zog es schon
vorbei an einer Raumstation,
vorbei an Venus und Merkur
und weiter, weiter grad und stur
durch Riemanns Raum in dunkler Nacht;
das kleine Quant hat’s weit gebracht.