Das deutsche Wort ‹Zahl› stammt vom Protogermanischen ‹*talō› (Rechnung, Zählung, Bericht, Rede, Erzählung) ab, dann vom Althochdeutschen ‹ǯala› [dšala] (Zählung, Einordnung, Bericht, Berichterstattung) über das Mittelhochdeutsche ‹zal›, das bereits die heutige Bedeutung hatte. Doch auch Mittelhochdeutsch bleibt die etymologische Verknüpfung zwischen ‹Zählen› und ‹Erzählen› bestehen: ‹zælen› (erzählen).
Interessant ist, dass auch in anderen Sprachen das ‹Zählen› und das ‹Erzählen› jeweils von einem gleichen Wortstamm abgeleitet sind:
Italienisch: ‹contare› (zählen), ‹raccontare› (erzählen)
Französisch: ‹compter› (zählen), ‹raconter› (erzählen)
Spanisch: ‹contar el dinero› (Geld zählen), ‹contar una historia› (eine Geschichte erzählen)
Portugiesisch: ‹contar o dinheiro› (Geld zählen), ‹contar uma história› (eine Geschichte erzählen)
Niederländisch: ‹tellen› (zählen), ‹vertellen› (erzählen)
Dänisch: ‹at tælle› (zählen), ‹fortælle› (erzählen)
Hebräisch: ‹לספור› [lispor] (zählen), ‹לספר› [lesafer] (erzählen)
und viele mehr.
Das Englische scheint auf den ersten Blick mit ‹to count and to tell› dem Prinzip nicht zu folgen. Doch dies liegt daran, dass nach der normannischen Eroberung im Jahr 1066 die englische Sprache besonders stark mit französischen Wörtern angereichert wurde und dieser Einfluss über mehrere Jahrhunderte anhielt, wobei die intensivste Phase der Übernahme zwischen 1250 und 1400 lag. Französisch ‹compter› (Altfranzösisch ‹conter›) verdrängte beim ‹Zählen› den altenglischen Stamm, während er in ‹to tell› (erzählen) und in ‹tale› (Erzählung) erhalten blieb. Aber der ‹receiving and paying teller› erinnert noch daran, dass man einst ‹to tell› nicht bloß auf ‹The Canterbury Tales›, sondern auch auf ‹Pound, Florin, Shilling and Pence› bezog.

